Elektrik checken beim Fix & Flip: Was zählt, was kostet und was Pflicht ist

Niemand sieht Elektrik. Aber jeder merkt, wenn sie nicht funktioniert — oder wenn im Notfall die Sicherung auslöst, weil der Leitungsquerschnitt für heutige Verbraucher schlicht zu klein ist. Elektrik ist beim Flip eine der unsichtbarsten Kostenstellen und gleichzeitig eine der wichtigsten Sicherheitsthemen. Wer hier spart, spart am falschen Ende.

Was bei der Elektrik-Prüfung untersucht wird

Unterverteilung / Sicherungskasten

Der Sicherungskasten ist das Herzstück der Elektroanlage. Prüfen Sie:

Elektrik checken beim Fix & Flip: Sicherungskasten, FI-Schalter und Kosten
Elektrik checken beim Fix & Flip: Sicherungskasten, FI-Schalter und Kosten
  • Alter des Kastens: Kästen vor 1980 haben oft Schraubsicherungen (Diazed) statt Leitungsschutzschalter
  • Anzahl der Stromkreise: Moderne Wohnungen brauchen 8–15 Stromkreise, alte Bauten haben oft nur 2–4
  • Vorhandensein FI-Schalter (RCD): Gesetzlich vorgeschrieben für neue Anlagen, in Altbauten oft fehlend
  • Beschriftung: Unleserliche oder fehlende Beschriftung = keine Wartungsfähigkeit
  • Sichtbare Brandspuren, Korrosion oder Überhitzungszeichen

Leitungsquerschnitte

Alte Wohnungen haben häufig 1,5 mm² Leitungsquerschnitt für alle Stromkreise — was für Herd, Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler zu wenig ist. Küchengeräte brauchen 2,5 mm², Herd 4–6 mm². Falsche Querschnitte bedeuten Brandrisiko.

Leitungsmaterial

In Gebäuden aus den 1960er bis 1970er Jahren wurden Aluminium-Leitungen verlegt. Alu-Leitungen sind anfällig für Korrosion an Verbindungen und gelten heute als Brandrisiko. Vollständiger Austausch empfohlen.

Steckdosenanzahl und Verortung

Heutige Käufer erwarten pro Zimmer mindestens 3–4 Steckdosen. Altbauten haben oft 1–2. Nachzurüsten ist möglich, aber aufwendig, wenn Unterputz verlegt werden soll.

FI-Schalter: Warum er Pflicht ist

FI-Schalter (Fehlerstromschutzschalter / RCD) trennen die Stromversorgung innerhalb von Millisekunden, wenn Strom über einen ungewollten Pfad fließt — also wenn jemand einen Stromschlag erleidet oder ein Gerät defekt ist. Ohne FI-Schalter kann ein Stromschlag tödlich sein.

Rechtslage: Seit den VDE-Normen (VDE 0100-410) sind FI-Schalter für Neuinstallationen in Steckdosenstromkreisen Pflicht. In Altbauten besteht keine Nachrüstpflicht per se — aber beim Umbau oder bei Verkauf haftet der Eigentümer für den Zustand der Elektrik. Empfehlung: Immer nachrüsten.

Kosten: FI-Schalter nachrüsten (Elektriker): 150–400 € je nach Anlage und Aufwand. Kein Grund, hier zu sparen.

Kosten: Was ein Elektro-Update beim Flip kostet

Abhängig davon, was gemacht werden muss:

  • FI-Schalter nachrüsten + Kasten überprüfen: 300–800 €
  • Neuer Sicherungskasten mit modernen LS-Schaltern: 600–1.500 €
  • Neue Stromkreise ziehen (2–3 Kreise): 800–2.000 €
  • Elektrik-Update Wohnung (50–70 m², nicht vollständig neu): 3.000–7.000 €
  • Kompletterneuerung Elektrik (Unterputz, alle Räume): 8.000–18.000 €
  • Alu-Leitungen austauschen (Vollsanierung): 10.000–25.000 €

Elektriker finden: Worauf achten?

Elektro-Arbeiten dürfen in Deutschland nur von konzessionierten Elektrofachbetrieben durchgeführt werden. Selbermachen ist nicht erlaubt (Ausnahme: reine Montagetätigkeiten wie Steckdosen tauschen bei bestehenden Installationen — rechtlich grau).

Für den Flip: Beauftragen Sie immer einen eingetragenen Elektrofachbetrieb, der nach Abschluss ein Abnahmeprotokoll und eine Elektroprüfbescheinigung ausstellt. Diese Dokumentation können Sie beim Verkauf vorlegen — ein starkes Vertrauenssignal für Käufer.

Zeitplan: Wie lange dauert die Elektro-Modernisierung?

  • FI nachrüsten + Kasten: 1 Tag
  • Neuer Kasten + 3 neue Stromkreise: 2–3 Tage
  • Elektrik-Update (mehrere Räume): 3–7 Tage
  • Kompletterneuerung (alle Wände): 2–4 Wochen (inkl. Schlitzen und Verputzen)

Achtung: Wenn Wände aufgestemmt werden müssen, brauchen Sie danach Putzarbeiten und Malerei — das verlängert den Gesamtzeitplan um weitere 1–2 Wochen.

Fazit: Elektrik ist kein optionaler Punkt auf der Flip-Liste. Wer das Thema korrekt bewertet, spart Nachkosten und schützt sich rechtlich. Ein ordentlicher Elektro-Check kostet 300–500 €, eine Vollsanierung 8.000–18.000 € — beide Kosten sind kalkulierbar. Der Schaden durch eine ignorierte Elektrik ist es nicht.