Fassadensanierung: Kosten, Systeme und GEG-Anforderungen im Fix & Flip

Die Fassade ist das Gesicht eines Gebäudes. Was außen alt, rissig und verfärbt aussieht, kostet beim Verkauf Sympathiepunkte — und im schlechtesten Fall echtes Geld, weil der Käufer einen Abschlag fordert. Gleichzeitig ist eine Fassadensanierung die teuerste Einzelmaßnahme bei der Gebäudehülle. Wer die Kosten nicht kennt, verrechnet sich leicht um 30.000 €.

Die drei Hauptoptionen bei der Fassadensanierung

Option 1: Einfaches Streichen

Die günstigste Variante: Fassade reinigen, Risse schließen, neu streichen. Funktioniert nur wenn der Unterputz noch intakt ist und kein thermischer Sanierungsbedarf besteht.

Fassadensanierung: Kosten 30–120 €/m², WDVS und GEG-Anforderungen
Fassadensanierung: Kosten 30–120 €/m², WDVS und GEG-Anforderungen
  • Hochdruckreinigung: 3–8 €/m²
  • Risse spachteln: 5–15 €/m² je nach Anzahl
  • Fassadenfarbe und Anstrich: 10–25 €/m²
  • Gerüst: 8–15 €/m² Fassadenfläche
  • Gesamt: 25–60 €/m²

Sinnvoll für: Objekte mit intaktem Putz, nur optischen Mängeln, kurzen Haltezeiten beim Flip.

Option 2: Neuverputz (ohne Dämmung)

Wenn der alte Putz abfällt, Risse durchgehend sind oder die Fassade generell sanierungsbedürftig ist, muss sie komplett neu verputzt werden.

  • Alten Putz abschlagen: 8–20 €/m²
  • Neuputz aufbringen (2-lagig): 25–55 €/m²
  • Abrieb und Anstrich: 12–25 €/m²
  • Gerüst: 8–15 €/m²
  • Gesamt: 53–115 €/m²

Option 3: WDVS (Wärmedämmverbundsystem)

Das WDVS kombiniert Fassadensanierung mit Wärmedämmung. Dämmplatten (EPS oder Mineralwolle) werden direkt auf die Außenwand geklebt und gedübelt, dann verputzt. Es ist die teuerste Option — aber auch die energetisch wirkungsvollste und förderfähigste.

  • EPS-Dämmung 10 cm (Standard): 80–120 €/m²
  • EPS-Dämmung 16–20 cm (KfW-Standard): 100–150 €/m²
  • Mineralwolle (diffusionsoffen): 110–160 €/m²
  • Gerüst: 8–15 €/m²
  • Gesamt: 90–175 €/m²

GEG-Anforderungen: Was das Gebäudeenergiegesetz fordert

Das GEG (Gebäudeenergiegesetz 2024) schreibt vor, dass bei wesentlicher Erneuerung der Fassade (mehr als 10 % der Bauteilfläche wird erneuert) bestimmte Dämmstandards eingehalten werden müssen:

  • U-Wert der Außenwand nach Sanierung max. 0,24 W/(m²K)
  • Das entspricht ca. 10–12 cm EPS-Dämmung oder gleichwertigem Material
  • Ausnahmen: wenn technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar (§ 35 GEG)

Praktische Konsequenz für den Flip: Wer die Fassade mehr als oberflächlich saniert, muss GEG-konform dämmen — andernfalls drohen Bußgelder und Offenbarungspflicht beim Verkauf.

KfW-Förderung für Fassadendämmung

WDVS-Maßnahmen sind über das BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude) förderfähig:

  • Einzelmaßnahme Dämmung Außenwand: 15 % Zuschuss
  • Mit Effizienz-Haus-Förderung: bis 45 % möglich
  • Voraussetzung: Energieberater (BEA-Förderprogramm), Antrag vor Baubeginn

Typische Fassaden beim Flip: Was Sie vorfinden können

  • Klinkerfassade: Robust, pflegeleicht, selten Sanierungsbedarf. Fugen prüfen (3.000–8.000 € Verfugung).
  • Putzfassade (Baujahr 1950–1980): Häufig Risse, abblätternder Putz. Neuverputz oder WDVS je nach GEG.
  • Faserzement-Eternitplatten: Asbest-Verdacht prüfen! (Baujahr bis 1993). Entsorgung teuer.
  • WDVS aus den 1990ern: Prüfen ob Algenbefall (grün), Risse in Verputz. Oft sanierbar mit Reinigung und Neuanstrich: 20–40 €/m².

Zeitplan und Koordination

  • Gerüst stellen: 1–2 Tage
  • Untergrundvorbereitung (Reinigung, Abschlagen): 2–5 Tage
  • WDVS-Montage oder Neuputz: 5–14 Tage
  • Anstrich und Finish: 2–4 Tage
  • Gerüst abbau: 1 Tag

Gesamtzeitraum: 2–4 Wochen vor Ort, mit Disposition und Wetterfenstern 4–8 Wochen einplanen. Fassadenarbeiten sind wetterabhängig — bei Frost und Regen kein Verputzen möglich.

Fazit: Fassadensanierung ist beim Flip immer eine größere Investition. Ob sie sich lohnt, hängt davon ab, ob sie Pflicht ist (GEG), ob KfW-Förderung den Eigenaufwand reduziert und ob der Kaufpreis die Sanierungskosten einpreist.