Eigenkapital für Fix & Flip: Was Banken fordern und was die Praxis zeigt

Eine der häufigsten Fragen angehender Fix & Flip Investoren: Wie viel Eigenkapital brauche ich wirklich? Die ehrliche Antwort ist komplexer als „20 Prozent" – denn beim Fix & Flip gibt es mehrere Kostenblöcke, die unterschiedlich finanziert werden können.

Was Banken beim Fix & Flip typischerweise finanzieren

Standard-Immobiliendarlehen finanzieren in der Regel:

Eigenkapital Fix & Flip: Wie viel braucht man wirklich?
Eigenkapital Fix & Flip: Wie viel braucht man wirklich?

Das bedeutet: Selbst wenn eine Bank 80 % des Kaufpreises finanziert, bleiben erhebliche Eigenkapitalanforderungen:

  • 20 % Kaufpreis-Rest
  • 100 % Kaufnebenkosten (10–12 %)
  • Vollständige oder teilweise Renovierungskosten

Vollständige Eigenkapital-Berechnung: 200.000 € Objekt

Kaufpreis: 200.000 €, NRW (6,5 % GrESt), vollständige Renovierung 40.000 €

  • Bank finanziert 75 % Kaufpreis: 150.000 € Kredit
  • Kaufpreis-EK-Anteil (25 %): 50.000 €
  • Grunderwerbsteuer NRW (6,5 %): 13.000 €
  • Notar (1,5 %): 3.000 €
  • Grundbuch (0,5 %): 1.000 €
  • Renovierungskosten (aus EK): 40.000 €
  • Reserve (15 %): 6.000 €
  • Benötigtes Eigenkapital: 113.000 €

Das überrascht viele: Bei einem 200.000 € Objekt werden über 113.000 € Eigenkapital benötigt – mehr als die Hälfte des Kaufpreises!

Warum die Renovierung das Eigenkapital-Problem verschärft

Klassische Banken finanzieren Renovierungen aus zwei Gründen oft nicht:

  1. Das Objekt dient als Sicherheit – und hat vor der Renovierung einen geringeren Wert als danach
  2. Fix & Flip gilt als spekulativ – Banken bevorzugen Buy & Hold Investoren

Alternativen für die Renovierungsfinanzierung:

  • Eigenkapital (teuerste Option in Bezug auf Opportunitätskosten)
  • Bridging Loan / Brückenfinanzierung (teuer aber flexibel, 8–18 % p.a.)
  • Renovierungsrücklage aus vorherigen Flip-Gewinnen
  • Privates Kapital (Investoren, Familie)

Mindest-EK nach Objektgröße: Übersicht

  • Objekt 100.000 € (Bayern, 3,5 % GrESt): EK-Bedarf ca. 45.000–60.000 € (je nach Renovierungsumfang)
  • Objekt 150.000 € (Bayern): EK-Bedarf ca. 60.000–80.000 €
  • Objekt 200.000 € (NRW, 6,5 %): EK-Bedarf ca. 90.000–120.000 €
  • Objekt 300.000 € (NRW): EK-Bedarf ca. 130.000–170.000 €

Eigenkapitalquote optimieren: Strategien

1. Bundesland mit niedriger GrESt wählen

Bayern (3,5 %) statt Thüringen (6,5 %) bei 200.000 € Kaufpreis: 6.000 € Ersparnis allein durch Bundesland-Wahl. Nicht immer möglich, aber ein echter Hebel.

2. Kleinere Einstiegsobjekte wählen

Günstigere Kaufpreise senken das absolute EK-Bedürfnis. Ein 80.000 € Cosmetic Flip in einer Kleinstadt kann mit 40.000–45.000 € EK funktionieren.

3. Joint Venture mit Kapitalpartner

Wer Arbeit, Expertise und Zeit mitbringt, kann Kapital von einem Partner holen. Typische Aufteilung: Kapital-Partner 60–70 % des Gewinns, Aktiv-Partner 30–40 % – aber ohne eigenes EK-Risiko.

Der Eigenkapitalrechner in einfach

Schnellformel für das Mindest-EK:

EK = (Kaufpreis × 25 %) + (Kaufpreis × 12 % Nebenkosten) + Renovierungskosten + 15 % Reserve

Für 180.000 € mit 35.000 € Renovation: EK = 45.000 + 21.600 + 35.000 + 5.250 = 106.850 €

Fazit

Fix & Flip ist kein Null-EK-Spiel. Die Eigenkapitalanforderungen sind real und erheblich – besonders weil Banken Kaufnebenkosten und Renovierungen selten mitfinanzieren. Wer die Zahlen kennt und entsprechend plant, verhindert die häufigste Fix & Flip Katastrophe: das Projekt startet, und das Geld reicht nicht durch.